Seergras-Naturseife von makery.care – handgemacht im Cold Process Verfahren

Naturseife – Geschichte, Chemie & Herstellung

Von Justine Spalik

Seergras-Naturseife von makery.care – handgemacht im Cold Process Verfahren

Seife gilt als eines der ältesten Chemieprodukte der Welt. Der bisher älteste Hinweis auf die Seifenherstellung findet sich auf einer etwa 6.500 Jahre alten Tontafel der Sumerer im heutigen Irak. Interessanterweise nutzten die Menschen Seife damals als Heilmittel für Verletzungen und Hautkrankheiten – die reinigende Wirkung wurde erst viel später entdeckt.

Den Arabern verdanken wir die Seife in ihrer heute bekannten Form. Im 7. Jahrhundert wurden erstmals Öl und Lauge miteinander verkocht – die Geburtsstunde der Seife, wie wir sie kennen, beispielsweise der Aleppo-Seife. Durch die Eroberungen der Araber breitete sich dieses Wissen schnell in Europa aus, vor allem in Italien, Spanien und Frankreich – Länder mit hervorragender Olivenöl-Versorgung.

Nach dem Fall Roms (467 n. Chr.) gingen die Badegewohnheiten in weiten Teilen Europas zurück, was zu unhygienischen Verhältnissen im Mittelalter führte und Krankheiten wie die Pest begünstigte. Dennoch gab es Ausnahmen: In Japan war tägliches Baden ein üblicher Brauch, und in Island waren mit heißem Quellwasser beheizte Pools beliebte Treffpunkte.

Erst im 17. Jahrhundert kam das Baden in Europa wieder langsam in Mode – langsam auch deshalb, weil Seife als Luxusgut teuer und stark besteuert war. Das änderte sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts, als es gelang, Natriumhydroxid in größeren Mengen künstlich herzustellen. Die industrielle Produktion beschleunigte sich, und mit einem neuen Hygieneverständnis sowie gesenkten Steuern wurde Seife zum erschwinglichen Massenprodukt.

Früher wurden überwiegend tierische Fette (Talg, Schlachtabfälle) verwendet. Heute wird Seife überwiegend aus pflanzlichen Ölen hergestellt – tierische Fette sind eher unüblich, leider aber nicht ausgeschlossen.

Aktivkohle-Naturseife von makery.care – handgemacht im Cold Process Verfahren

Die Chemie dahinter

Seifen bestehen aus den Alkalisalzen (Natrium- oder Kaliumsalze) der Fettsäuren, die bei der Verseifung von Fetten entstehen. Bei der Reaktion von Fetten/Ölen mit einer Lauge (Natrium- oder Kaliumhydroxid) werden die Fette in natürliches Glycerin und Fettsäuren zerlegt. Die Fettsäuren verbinden sich mit der Lauge zu Alkalisalzen – das sind die eigentlichen Tenside. Was Tenside genau sind und welche deine Haut wirklich schützen, erfährst du hier →

Tenside sind waschaktive Substanzen mit einem wasserabweisenden (lipophilen) und einem wasseranziehenden (hydrophilen) Ende. Dadurch binden sie Schmutzpartikel, die dann mit Wasser abgewaschen werden können.

Wichtig: Tenside haben keine Pflegeeigenschaften – sie reinigen nur. Ihre Hautverträglichkeit hängt von ihrer Mildheit oder Aggressivität ab.

Der entscheidende Unterschied bei Naturseife: Das während der Verseifung entstehende Glycerin wird bei Naturseife belassen. Kernseife hingegen ist glycerinfrei und entfettet – sie wird daher meist nur für Putzzwecke verwendet. Handelsüblichen Feinseifen wird nachträglich Glycerin oder Fett zugesetzt, um den Verlust auszugleichen.

Naturseife mit Fichtennadelöl von makery.care

Die Herstellungsweisen – Verseifung

Es gibt zwei Hauptverfahren zur Naturseifenherstellung: Hot Process (Heißverseifung) und Cold Process (Kaltverseifung).

Cold Process - CP (Kaltrührverfahren)

  • Nutzt natürliche Wärmereaktion, die bei der Verbindung von Lauge und Öl entsteht – es wird nichts zusätzlich erhitzt

  • Feste Öle werden geschmolzen, mit flüssigen Ölen vermischt, dann wird die Lauge hinzugefügt.

  • Keine externe Wärme – die Verseifung läuft von selbst ab.

  • Verseifungsdauer: ca. 18–24 Stunden.

  • Aushärtung: 3–4 Wochen (abhängig von Luftfeuchtigkeit).

  • Oberfläche: glatt.

  • Makery verwendet dieses Verfahren.

Seifenmasse beim Cold Process – Trace-Stadium bei der Naturseifenherstellung

Hot Process - HP (Heißrührverfahren)

  • Externe Wärmequelle (Topf, Ofen, Doppelkessel) beschleunigt die Verseifung.

  • Verseifung: ca. 2 Stunden.

  • Oberfläche: rustikal, strukturiert.

Beide Verfahren sind gleichwertig – die Wahl ist eine persönliche Präferenz.

Reifezeit

Bei kalt gesiedeten Seifen ist der Verseifungsprozess nach dem Erkalten noch nicht vollständig abgeschlossen. Zwar ist kein freies NaOH mehr enthalten, aber noch nicht alle Fettsäuren sind in Alkalisalze umgewandelt.

  • pH-Wert frisch: ca. 11–12.

  • Reifezeit: 4–6 Wochen (je nach Rezeptur).

  • pH-Wert nach Reife: 8–9.

Je weiter die Verseifung fortschreitet, desto mehr Alkalisalze entstehen – und desto besser entwickeln sich Reinigungskraft und Schaumvolumen. Warum der pH-Wert und dein Säureschutzmantel dabei eine Rolle spielen →

Wichtig: Je höher die Überfettung, desto weicher wird die Seife, desto geringer ist ihre Haltbarkeit und Reinigungsleistung – und desto schneller kann sie ranzig werden. Die Neigung zur Ranzigkeit wird zusätzlich durch die Art der verwendeten Öle und deren Einsatzkonzentration beeinflusst: Öle mit einem hohen Anteil an mehrfach ungesättigten Fettsäuren, wie Hanföl, Leinöl, Traubenkernöl oder Distelöl, sind besonders pflegend, neigen aber dazu schneller  ranzig zu werden. Hanföl macht die Seife zudem weich und bildet kaum Schaum – es sollte daher nur in kleineren Mengen eingesetzt werden. Feste, gesättigte Fette wie Kokosöl machen die Seife härter, haltbarer und stabiler. Der ideale Überfettungsgrad sollte daher nicht nur an den Verwendungszweck und die individuelle Hautverträglichkeit, sondern auch an die Rezeptur und die gewählten Öle angepasst werden.

Verschiedene Naturseifen von makery.care – Lavendel und weitere handgemachte Seifen

Seifen-Sorten – ein kleiner Überblick

Es gibt viele verschiedene Seifenarten – für den persönlichen, kommerziellen und industriellen Gebrauch. Einige Beispiele:

  • Kernseife: Glycerinfrei, stark entfettend, vor allem für Putzzwecke.

  • Feinseife: Handelsübliche Seife mit nachträglich zugesetzten Pflegestoffen.

  • Naturseife (kalt- oder heißgesiedet): Enthält natürliches Glycerin und oft einen Überfettungsgrad.

  • Aleppo-Seife: Eine der ältesten Seifen – aus Olivenöl und Lorbeeröl.

  • Castilische Seife: Reine Olivenöl-Seife.

  • Haarseife: Höhere Reinigungskraft, geringerer Überfettungsgrad (2–4 %).

Bei makery.care wird bewusst mit Fettüberschuss gearbeitet. Das macht die Seifen besonders hautverträglich. Hier geht es zu unseren Naturseife.

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